Startgebühren Triathlon – Wegelagerei als Geschäftsmodell?

Als leidenschaftlicher Triathlet kommt man um das Thema “Startgebühren” ja leider nicht herum. Das ist natürlich nicht nur beim Triathlonsport der Fall, sondern bei allen Breitensport-Events. Heiko vom Laufe-Marathon hat hierzu eine Blockparade ins Leben gerufen. Daher will ich auch mal einen kleinen Beitrag dazu schreiben. Fakt ist: Will man irgendwo starten, muss man zahlen – beim Triathlon greift man den Aktiven gern und tief in die Taschen.

Beim Triathlonsport scheint es so zu sein, dass sich die Länge der Distanz und Popularität des Events proportional zum Inhalt des Portemonnaies verhalten. Folgende Frage ist dabei zu stellen: Sind diese enormen Gebühren noch vertretbar, fällt also das Preis-Leistungs-Verhältnis noch positiv aus, oder muss man hier schon von “Wegelagerei” sprechen? Ich bin noch nicht allzu lange als Triathlet unterwegs. Zuvor war ich meist auf dem Rennrad unterwegs. Zahlreiche Teilnahmen bei den HEW-Cyclassics (jetzt Vattenfall-Cyclassics) und die Etappenfahrt TourTransalp im Jahre 2005 kann ich verbuchen. Billig war es nie. Die Tour Transalp fiel “damals” mit gut 550-600€ schon aus dem Rahmen. Hinzu kamen noch die anderen Kosten für Unterkunft. Die Höhe der Gebühr – und darum geht es ja – war aber sensationell günstig in Hinblick auf das, was dem Aktiven geboten worden ist.

2006 hab ich dann die Leidenschaft für den Triathlonsport entdeckt. Der Ostseeman, bei dem ich dann nach meiner ersten “Volksdistanz” 2005 in Kiel teilgenommen habe, war verhältnismäßig günstig. Gerademal 150€ musste ich locker machen. Der sehr familiäre Event war toll gestaltet und ließ keine Wünsche offen. 2007 machte ich dann erstmals die sehr teure Bekanntschaft mit den Veranstaltern des IRONMAN Frankfurt, als ich in Wiesbaden beim 70.3 gestartet bin. Xdream Sports & Events GmbH ist bekannt für seine wahnsinnig gut organisierten Events – so war es auch diesem Fall. Die 180€ Startgeld schlug jedoch die Ostseeman-Gebühr schon um Längen; nota bene für die halbe Distanz. Aber danach darf man leider nicht gehen.

2008 wagte ich nochmal einen Start über die Langdistanz. Vielmehr überredeten mich meine Freunde beim IRONMAN Schweiz zu starten – weit über 400€ kostete mich dieser Spaß. Die Orga war jedoch mehr als mies, nicht besser als bei einem unterdurchschnittlichen Wald- und Wiesentriathlon. Wie die IRONMAN-Veranstalter kalkulieren beschreibt dieser Artikel aus dem Tage-Anzeiger von 2009 ganz gut: Es werden mehr Startplätze verkauft, als es gibt. Der Veranstalter weiß aus Erfahrung, dass niemals all jene Sportler kommen werden, die sich angemeldet haben. Dabei sind die IRONMAN-Veranstaltungen regelmäßig Monate im Voraus ausgebucht. Mit dem Geld lässt sich schön wirtschaften. Interessant: Startgebühren von Athleten, die nicht starten, werden entweder nur teilweise oder gar nicht zurückerstattet – bestenfalls erhält man einen Gutschein, den man für Events, die über Datasport angeboten werden, einlösen kann. Beim IRONMAN Frankfurt ist selbst das nicht mehr drin. Zu den sehr hohen Startgebühren kommen auch noch “merkwürdige” Servicegebühren. Bei Zahlungen per Kreditkarte kann ich das ja noch verstehen. Wird der Betrag von einem Aktiven jedoch selbst (!) überwiesen, ist die Servicegebühr fällig. Meinen Anfragen wich man aus.

Die Höhe der Startgebühren scheinen keine Grenzen zu kennen. Vielen ist es offensichtlich auch egal und/oder schlucken die bittere “Gebühren-Pille” (so wie ich) oder verfügen einfach über das nötige Kleingeld. So hat eine Umfrage ergeben, dass ein IRONMAN Teilnehmer über ein durchschnittliches Einkommen von über 160.000$ (!!) verfügt. “Ein gutes Geschäft mit dem Leiden” – so titelte treffend die NZZ 2010. Weiterhin macht natürlich auch der Materialfetisch, der um diese Sportart herum entstanden ist, deutlich, dass es sich hierbei um eine sehr zahlungskräftige Zielgruppe handelt. Da wird man das Gefühl nicht los, dass die Wertschöpfungskette extrem ausgereizt werden soll. Vielleicht sogar ausgereizt werden muss, denn 2009 kaufte die amerikanische Investorengruppe Providence Equity Partners die Firma World Triathlon Corporation. Da liegt es auf der Hand, dass mächtige Gewinne eingefahren werden müssen.

Trotz der sehr hohen Preise können sich die Veranstalter vieler Events über  eine mangelnde Teilnehmeranzahl nicht beschweren – im Gegenteil. Wird z.B. die Anmeldung für den IRONMAN Frankfurt freigegeben, brechen regelmäßig die Server zusammen. Daraus kann man vortrefflich Kapital schlagen. Die WTC kam da auf eine revolutionäre Idee.  Vollmundig kündigte man den “Athletenpass” an. (Meldung auf der Facebookpage von “triathlon”) Zum Schnäppchenpreis von 1000$ wäre dieser zu erwerben gewesen. Vorteil: der Inhaber darf sich eine Woche vor dem offiziellen Anmeldetermin schon einschreiben – selbstverständlich zum vollen Preis. Statt diese Offert mit Kusshand anzunehmen, hagelte es deftige Kritik. Nicht nur von Seiten der Athleten, auch Prominente sprachen sich sehr deutlich gegen ein solches Geschäftsgebaren aus. Das ist wohl ein deutliches Zeichen, dass man den Bogen nicht überspannen sollte. Die WTC ruderte schnell zurück. Wer die original Pressemitteilung lesen möchte, den muss ich leider enttäuschen. Die gibt es nicht mehr – wurde wohl gelöscht. Das ist bezeichnend. Dafür findet man noch einen Artikel auf triathlon.de.

Fazit: Sind die Gebühren nun zu hoch? Jein. Große Events der IRONMAN-Serie sind nur mit einem immensen monetären Aufwand zu stemmen. So muss halb Frankfurt für einen Tag gesperrt werden. Das kostet. Wer will kann auf kleine Veranstalter ausweichen. Ich starte regelmäßig beim Triathlon Wasserstadt-Hannover auf der Mitteldistanz. Ich zahle dafür schmale 70€ (als Frühbucher). Wer auf der Langdistanz starten will muss gerade mal 99€ (!!) Zahlen. Im Vergleich: IRONMAN FRA verlangt über 460€. Dafür wird einem natürlich auch eine Menge “Emotionen” geboten – und man kann sich dann offiziell auch Ironman nennen. Wer es braucht, der soll es machen. Mir geht nur diese miese Geschäftemacherei auf den Keks – salopp ausgedrückt. Doch hier ist der Athlet gefragt. Nur er kann entscheiden, welches Produkt sich auf dem Markt durchsetzt. Man hat die Wahl!

Zu diesem Thema hab ich noch einen Fortsetzungs-Post verfasst. Ausschlaggebend war die Bekanntgabe des Rekord-Startgelds für den IRONMAN in New York 2012 – satte 1000$. Das ist mehr als schmerzbefreit und der Traithlet wird vollends zur Milchkuh des Veranstalters.

Veröffentlicht von

Schwimmt, fährt Rad und läuft!

7 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Startgebühren im Triathlon – Jetzt ist mal Schluss! – kummerani

  2. Pingback: Blogparade Auswertung: Startgebühren für Laufveranstaltungen gerechtfertigt oder nicht > Bloggen, Läufe > Startgebühren, Laufveranstaltungen, Blogparade

  3. Pingback: Ironman World Championship – Es ist angerichtet! | kummerani

  4. Du sprichst mir aus der Seele. Wollte mich eben für eine Mitteldistanz anmelden (Tri Chiemsee2013). Startgebühr mit Tageslizenz 170€. 2012 kostete das ganze noch unter 150€, also denke ich hat das ganze nur mit Gewinnoptimierung zu tun. Oder?

    • Den Tri Chiemensee kenn ich nicht. Manchmal und gesetzt den Fall das Event ist “sympathisch”, bin ich bereit auch mal nen Euro mehr zu zahlen. Aber grundsätzlich ist es schon so, dass die Startgelder immer höher werden. Ironman langt da ganz besonders hin und immer mehr Personen aus meinem Freundeskreis sehen es langsam nicht mehr ein, diese Gelder zu bezahlen – zumal es auch so kuriose Gebühren für Datenverarbeitung und Überweisung dem Starter auferlegt werden. Ein solches Geschäftsgebaren geht mir gehörig gegen den Strich. Aber wir Athleten haben es in der Hand. Wir können bestimmen, wo wir starten wollen. Somit unterliegt die Event-Welt einer natürlichen Auslese.
      Ich bin aber froh zu sehen, dass es auch noch kleine, sehr familiär organisierte Wettkämpfe gibt, die auch nicht viel kosten. Und die werden nicht aussterben. :)

  5. Hallo, ich hab 1987 mit Triathlon begonnen und 2008 wegen der in diesem Zeitraum exorbitant gestiegenen startgeldern aufgehört. Heut mach ich speziellen Triathlon, mit dem MTB vom TalTalort aus soweit wie möglich hochfahren dann auf die bergschuhe umsteigen und zum Schluss wieder aufs mtb, so hab ich zwischenzeitlich sogar 9 4000er gemacht, by fair meins, also im Alleingang, ohne aufstiegshilfen o.ä., Vorteile sind Ghettos wann und wo mich will, kein meldetheather us.

    • Wow. 1987. Da steckte der Sport ja noch in den Kinderschuhen, im Vergleich zu heute. Die Popularität des Sports kann man zwar begrüßen, hat jedoch immer auch eine Kehrseite. Einerseits finden immer mehr Menschen Gefallen daran, dadurch vergrößert sich das Angebot, die Sport wächst weiter, andererseits wittert die Industrie das große Geschäft. Das muss mann nicht mitmachen und schlägt entweder deinen Weg ein oder man macht kleinere Events, die noch keine astronomischen Gebühren verlangen, und wo man noch “unter sich” ist. Zum Glück gibt es die noch. :)

Schreib einen Kommentar