Hannover Teil 3 – The Run

Auf zur letzten Disziplin…. Die Temperaturen waren mittlerweile schon ziemlich hoch und würden den Halbmarathon nochmal enorm erschweren. Nach 90km – oder umgerechnet 2:21h – stieg ich vom Rad.

Fast hatte ich vergessen aus meinen Radschuhen zu schlüpfen; im allerletzten Augenblick stand ich Barfuß auf dem Asphalt und lief zum zweiten Wechsel. Routiniert angelte ich mit mein Laufcap, sprang in meine Schuhe und langte nach meinem bereitgestellten Gel – ließ dieses aber getrost weiter in der Sonne “kochen”.

Die ersten Kilometer waren erschreckend schlimm. Wozu hatte ich denn bloß die vielen Koppeleinheiten die Wochen zuvor gemacht? Doch nicht um verkrampft die 21,1km zu humpeln!? Gut, so schlimm war es nicht, aber übersäuert waren meine Muskeln schon und schlimme Erinnerungen holten mich ein – 2008 war ich, von Krämpfen geschüttelt – nach 2km nahe daran aufzugeben. Taktisch klug, hing ich mich an einen Läufer dran, der ein solides Tempo auf den Weg legte. Langsam entspannten sich meine Gedanken und Beine, und ich setzte  mich ab. Die Hitze setzte allen von Kilometer zu Kilometer immer mehr zu. Ein echte Wohltat waren die sechs Verpflegungspunkte, die auf dem 10km-Rundkurs auf die Athleten warteten; wie Oasen in der sengenden Hitze einer Wüste. Becherweise Wasser kippte ich mir über den Kopf, trank artig Cola und lutschte hier und da mal ein Gel. Die Kaltwasser-Becher-Duschen wurden nur noch von den Gartenschläuchen getoppt, die zum Glück an fast jedem Punkt vorhanden waren. Nur so ließ sich der völlig überhitze Körper für die nächsten Kilometer genug herunterkühlen. Ich lief auf viele Athleten auf, die in Anbetracht der Temperaturen das Tempo herausnahmen und “spazieren gingen”. An die Langdistanzstarter wollte ich gar nicht erst denken. Die armen Schweine….

Es ist immer wieder aus Neue interessant zu beobachten, wie Geist und Körper im Konflikt geraten.

Kopf: Immer noch 13km zu laufen. Ich hab langsam kein Bock mehr.
Beine: Jetzt hör aber mal auf. Hier unten ist alles soweit ok. Jetzt jammer nicht rum.
Kopf: Tue ich aber. Es ist heiß, andere springen in kühle Seen oder Freibäder und ich muss mich hier mit Dir in der Gluthitze quälen.
Beine: Es könnte wirklich schlimmer sein.
….

Man müsste annehmen, dass es eher umgekehrt wäre – sprich: die Beine keine Lust hätten und der Kopf den Rest vorantreibt. In der Tat scheinen beide ihre Standpunkte zu wechseln. Wichtig ist, was am Ende herauskommt und keiner den anderen entscheidend beeinflussen kann. Und endlich, nach einem zeitlich überschaubaren Diskurs, hatte ich das Ziel vor Augen. Läuft man in den Zielkanal ein, wird einem bewusst, warum man sich dieser Quälerei ausgesetzt hat…oder besser wieder aussetzt.

Ich will es mal so sagen. Normalerweise lernt ein Mensch dazu und alles was irgendwie “unbequem” oder “schmerzhaft” war, ist oder zu sein scheint, eher meidet als aufsucht. Triathleten und viele andere Sportler suchen aber genau diese Art von Schmerzen, und das nicht nur einmal (manchmal auch das) aber viele begeben sich immer wieder auf den Pfad der Qual. Dafür ist der Lohn der Mühen aber ein unbeschreibliches Gefühl von Zufriedenheit, selbstbestimmter Anerkennung. Da kommt es natürlich darauf an, ob man diesen Sport intrinsisch oder extrinsisch motiviert betreibt. Ich merke gerade, ich betrete philosophisches Terrain; was mich auf die Idee bringt einmal das Pferd von dieser Seite aufzuzäumen – aber nicht hier und nicht heute.

Nach all den Qualen interessierte mich brennend, in was für eine Zeit ich meine persönlich 3. Auflage des Limmer-Triathlons absolviert hatte. Ein kurzer Blick auf die Uhr meiner Freundin sagte mir, dass heute alles gestimmt haben muss – also auch mein Gefühl!! Sie zeigte ca. 16:30 an. Nota bene: Ich bin um 12 Uhr gestartet. Ha! Sollte ich allen Ernstes “nur” 4:30h gebraucht haben? Das wäre der Knüller. Ich rede mal nicht um den heißen Brei herum. Offiziell hab ich die Mitteldistanz in einer 4:32:02 gefinisht – 17:47min schneller als letztes Jahr. Der Hammer! Damit habe ich den 18. Platz von 331 gewerteten Athleten belegt. Der einzige Wermutstropfen – neben der kaputten Polar – mein Ziel den Halbmarathon in sub 1:40h zu laufen, hab ich um 47sec. verpasst. Mit Uhr hätte ich sicher das Ziel sicher auch noch gepackt, denn Luft wäre noch übrig gewesen…ein wenig ;).

Tja, und da bin ich auch “schon” am Ende meines Wettkampfberichts. Fazit: Schön und schön anstrengend ist’s gewesen. Der Veranstalter hat mal wieder einen tollen Event auf die Beine gestellt und ich kann jedem nur wärmstens empfehlen hier mal teilzunehmen. Es lohnt sich. Und… Roth, ich komme!

PS. Die obligatorische “Siegesfeier” bei Burger King fiel für uns beide Vegetarier ein wenig mager aus. Außer Pommes, panierte Zwiebelringe und Chili-Cheese-Nuggets gibt’s da leider nicht viel :(. Die schmeckten aber nach all dem süßen Zeugs umso besser.

PPS. Meinen allerherzlichsten Dank gilt natürlich auch meiner Liebsten, die mich nach Hannover begleitet, sensationell angefeuert und tolle Bilder geschossen hat. Nächstes Jahr fahren wir auch früher los ;).

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Schwimmt, fährt Rad und läuft!

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