Training auf Norddeutsch

Der Herbst scheint den Sommer in Deutschland fürs Erste abgelöst zu haben. Zum Glück hatte ich kein dolles Programm auf dem Schirm – nur eine kleine Wettkampfeinheit, in der Intensität einer Mitteldistanz. Die Wetterpro-gnosen, die ich eifrig studiert hatte, ließen nichts Gutes erahnen: Wind, Regen und kalt solltes es werden; also Bedingungen zum Abgewöhnen. Aber was soll’s, was einen nicht umbringt, härtet ab.

Dazu plagte mich diese Woche eine genrelle Lustlosigkeit und ich ließ schon am Donnerstag das Schwimmtraining sausen. Ich hatte einfach keine Lust mich zu quälen. Es war überaus interessant zu sehen, wie sehr ich mit mir ringen musste, bis ich dem inneren Schweinehund erlaubte, seinen Willen durchzusetzen. Aber so ganz unaktiv war ich dann doch nicht – 50 min Stabi und Stretching konnte ich dann doch noch durchsetzen.

Irgendwann am Samstagmorgen – ganz früh – wurde ich dann von heftigen Regenfällen geweckt. Das konnte ja heiter werden! Zum Glück klarte es auf und die Straßen trockneten schnell ab. Da konnte einer anstrengenden Trainingsfahrt ja nichts mehr im Wege stehen – JUHU! Nach einem kurzen Frühstück bereitete ich mein Zeitfahrrad entsprechend den windigen Bedingungen vor: statt vorn mit einem ZIPP 808er, montierte ich mit meine Campa Zonda Felge…eine echt gute Entscheidung!

Und los. Manmanman, hatte ich keine Lust, und jetzt sollte ich mich auch noch 3 Stunden auf dem Rad bei Wettkampftempo+ quälen. In Anbetracht des folgenden Koppellaufes sank meine Motivation erheblich, dazu fühlte ich mich auch nicht so richtig fit, einfach müde und matt. Der Puls war auch noch ein wenig erhöht….naja, mal sehen wie sich das so entwickeln würde. Nach einer kurzen Einrollphase erreichte ich dann eine akzeptable IRONMAN-Reisegeschwindigkeit. Es schien sogar die Sonne. Was sich dahinter zeigte, war weniger schön. Extrem dunkle und kompakte Wolken schoben sich zusammen und ich fuhr geradewegs auf sie zu. Zack! fing es auch schon zu prasseln an und die Tropfen peitschten vom Wind erfasst  ins Gesicht. Schön ist anders. Regenjacke und -schuhe über -gezogen – weiter ging’s. Nach 20min war der Spuk vorbei und die nächsten 2 Stunden waren sogar fast komplett trocken. Nur ein kleiner Schauer erzwang einen willkommenen Boxenstop.

Im Laufe der abgespulten Kilometer passierte sogar etwas echt Unerwartes – die Motivation kehrte zurück und so baute ich meine Runde noch um über 20km auf 127km aus. Kurz vor dem Ziel drückte ich mit müden Beinen nen schönen dicken Gang. Das schrieb nicht nur der Plan vor, sondern die über Hamburg aufziehenden schwarzen Wolken beflügelten mich zusätzlich. Gerade noch rechtzeitig erreichte ich das Ziel – 5min später pladderte es sintflutartig vom Himmel. Zeit, mal kurz zu verschnaufen. Die letzte Passage hatte ein paar Körner gekostet und ich fühlte mich leicht “dizzy”.

Pertrus hatte endlich ein Einsehen und dreht den Hahn ab – auf zum 90min-Koppellauf. Lust? Nein, natürlich nicht. Sind die ersten Schritte aber gemacht, kehrt in der Regel der Trainings-Hunger zurück. Dem Gefühl nach, lief ich ein strammes Tempo – so langsam kennt man seine Vergleichspunkte. Joah…das sah ganz gut aus. Nur das sich anbahnende Energiedefizit machte mir ein paar Sorgen. Schon auf dem Rad hatte ich nur 1 Riegel und 1 Gel gegessen, dazu je 750ml Iso und Wasser. Beim Laufen hatte ich an Proviant lediglich 1 Gel und je ein Fläschchen Wasser und verdünnten Apfelsaft am Gürtel. Ich erinnerte mich kurz an Hannover; nein, das würde nicht reichen. Hmmmm, mal sehen, wann ich gegen die Wand laufe. Das Tempo hielt ich sogar relativ konstant hoch – immer deutlich unter 5min: bis auf ein paar Ausreißer pendelte sich die Pace bei 4:40/4:30 min/km ein. Aber auf den letzten 1,5-2 Kilometer habe ich’s dann nicht mehr durchalten können. Der letzte Kilometer lag dann auch nur bei einer 5:10. Ich hatte das Gefühl, als würde ich stehen. Ziemlich ausgepowert sand ich nach 19km vor der Haustür; hab mich aber immerhin besser gefühlt als in Hannover… und ich war schneller. Dafür war’s auch nicht so heiß ;).

Fazit: Mit den Ergebissen der Einheit bin ich zufrieden. Das Wetter war nicht optimal, die Verpflegung ebenso wenig – es war einfach viel zu wenig, was ich zu mir genommen habe. Daher konnte ich beim Laufen zum Schluss, wie geplant, keine Tempospitzen mehr erreichen. Ich denke, energetisch besser versorgt und mit einer besseren Renneinteilung sollte in Roth eine gute Zeit möglich sein. Das muss ich mal das Plasmasche ORAKEL befragen ;).

What’s next: Build 2 habe ich gefreestyled abgeschlossen. Jetzt kommen die zwei Peak-Wochen mit einem strammen Programm. Woche 1: zwei Keysessions (Koppeleinheiten) am Mittwoch und Sonntag, plus einem langen Lauf. Woche 2 ebenfalls mit zwei Koppeleinheiten aber von geringerem Umfang. Dann heißt es, sich mental auf Roth vorbereiten, Spannung halten und nicht krank werden.

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Schwimmt, fährt Rad und läuft!

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