Soweit die Füße tragen – The Run

The Pain

Wie läuft sich ein Marathon auf einer Ironman-Distanz? “Twenty miles of hope and six miles of reality.” – Cameron Brown. Ich hatte mir an sich viel vorgenommen – ein Zeit bei 3:30h oder schneller. Das war der Plan…und bliebt doch nur ein Traum. Nie war ich in der Vorbereitung so oft in Laufschuhen unterwegs, wie für Roth. Ich hatte mir sogar extra eine “Marschtabelle” ausgedruckt…letztlich hätte sie mir auch nichts genutzt.


Die ersten Kilometer fühlten sich wie immer ein wenig “labbrig” in den Beinen an. Trügerisch langsam kommt man sich vor, egal ob man schnell oder langsam anläuft. Ich fühlte mich aber vergleichsweise gut und entschied mich für eine konservative Lauftaktik. Also erstmal “locker” los und dann die ein oder andere Schippe drauflegen. Und es ging erstaunlich gut und vor allem flott zum ersten Wendepunkt. Mann für Mann, Frau für Frau sammelte ich ein. Einen soliden 4:49er Schnitt gaben meine müden Beine her. Auch auf meine “Reisegruppe” traf ich wieder und ließ sie stehen. Andy Raelert hab ich schon nicht mehr zu Gesicht bekommen. Lediglich den Rest ;). Dafür haben meine Supporter ein paar schöne Bilder geschossen. Da sieht man gut, dass auch ein Raelert nicht nur richtig beißen muss…sondern es ihm auch ansieht – ganz anders Chrissi Wellington. Die scheint immer nur zu lächeln – wie einst beim Radsport El Rey Miguel Indurain.

Leider hielt meine Euphorie nur bis Km 21 an. Halbzeit! Mein rechter Knöchel zickte rum und es zwackte in der linken Wade. Nun wurden die Karten neu gemischt. Jetzt entscheidet der Kopf darüber, wie es weitergeht. Und der wollte nicht so ganz. Der Puls sank von 151 auf 144 Schläge.  Ein untrügliches Zeichen, dass ich abbaute. Bis Km 28 lief ich noch gut durch, verpflegte mich an allen Verpflegungsstellen ausschließlich mit Cola und kühlte den Körper mit den Wasserschwämmen runter. Dann machte ich kurz vor der “Waldpassage”, hin zum zweiten Wendepunkt, einen Fehler. Mit einem Gel versuchte ich auf Krawall nochmal schnelle Energie reinzupressen. Nach ein paar Schritten wurde mir aber richtig schlecht – so dass ich schon dachte ich müsste in die Büsche springen. Nach 100-200m wurde es langsam besser und ich konnte wieder traben. Ab hier passten Camerons Worte wie die Faust aufs Auge. Ich sah mich mit einem müden, kaputten Körper konfrontiert, mit dem ich irgendwie die letzten Kilometer schaffen musste. Klar, ich hatte schon über 214km zurückgegelegt, was sind da 12km? Aber die können verdammt lang werden. Eine Langdistanz ist eben nicht nur körperliche Arbeit – mental geht es ebenfalls richtig zu Sache. Mühsam lief ich weiter. Runter zum Kanal, dem Ziel entgegen. Ich setzte mir kleinere Ziele: Komm! Jetzt noch bis zur nächsten Verpflegungsstation. Den da vorne holtst du noch ein. So schnell ist der gar nicht, lauf mit ihm mit. Da! Die Lände in Sicht! Mein Coach baute mich ein letztes Mal auf. “Junge, jetzt kneif mal die Arschbacken zusammen. Nur noch 4km ins Ziel! Jetzt kommt. Das machst du!”

Wie? Nur noch 4km? Das Schild kurz vor der Lände zeigte doch 34km an – sprich es lägen noch 8km vor mir. Sollte ich mich verguckt haben? Eagl! Ich versuchte die letzten Energie und Kraftreserven zu mobilieseren und lief los. Auch wenn’s statt vier eben acht Kilometer sein sollten – verdammt. Das würde ich auch noch irgendwie schaffen. Im Wäldchen in Richtung Roth stellte sich plötzlich der linke Fuß im 45° Winkel quer. Krampf-Alarm. Tempo raus, zu Fuß weitergehen. Kann doch nicht sein. Das drückt auf die Psyche. Dann kam Cap. Crank von hinten und brüllte mich an. “Run! Run! C’mon!” Krampf weg. Weiter geht’s. So nun müsste doch bald mal das Ziel kommen. Moment! Hier bin ich nicht aus der Wechselzone kommen. Den Weg kenn ich nicht. UNd wieso kommen mir wieder Läufer entgegen. Wir wurden nach Roth weitergeleitet. Hier bekamen die Zuschauer entweder das personifizierte Leiden zu sehen oder euphorisch “sprintende” Athleten. Ich zählte leider zur ersten Kategorie. Es ging einfach nichts mehr. Keine Runners High in Sicht. Es war heiß, ich hatte keine Lust mehr und mein Magen muckte nun auch wieder auf. So spazierte ich an einer einer Bierbank voller “Schaulustiger” vorbei. Wie auf Kommando trieben sie mich wieder an: Los Christoph. Weiterlaufen!” Ich lief. Jubel folgte. Danke! Dann kam auch schon wieder Cap. Crank und riss mich mit. Ich nöhlte noch rum, dass es mit nicht gut ging. Doch dann……plötzlich hörte ich Musik und den Sprecher aus der “Arena” – noch ein paar Hundertmeter.

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Schwimmt, fährt Rad und läuft!

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