Der Ironman-Triathlet – ein Sport-Nerd?

Kürzlich schickte mir ein guter Freund einen Link zu einem Youtube-Video. Inhalt: Ein Mann schlägt die Einladung einer Frau aus – mit der Begründung er müsse um 18 Uhr. Warum, fragt sie. Die Antwort: “I’m training for an Ironman!” – “What the hell is an Ironman?“… Dann legt er los. 

Auf den ersten Blick mag man ja noch lachen. Doch das Video bringt aber eine ganze Reihe von soziologischen Problemen zutage. Das ist irgendwo ernüchternd. Sind wir, oder vielmehr bin ich wirklich so? Wie sieht mich mein Partner? Wie meine Freunde (also jene, die keine Triathleten sind) und Arbeitskollegen? Sind wir wirklich solche Sonderlinge, als die wir hier dargestellt werden – sportive Nonkonformisten, die sich von gesellschaftlichen Ereignissen weitestgehend fernhalten, um sich zu sportliche Höchstleistungen zu  quälen. Sozio-Asketen, die in den Augen anderer viel zu früh ins Bett gehen, um noch früher aufstehen zu können, um ihre ersten Sporteinheiten zu absolvieren, während der Normalbürger noch in der Tiefschlafphase vom süßen Leben im Schlummerland träumt? Die monatelang ohne Sex auskommen und die haufenweise Geld für Material, Trainingslager und Startgebühren etc. ausgeben? Und irgendwie hat sie ja Recht: “You’re an idiot!” Sind wir Langdistanz-triathleten wirklich so nerdy drauf?

Ich bin ja ein Mensch, von dem ich dachte, er beherrsche die hohe Kunst der Selbstreflexion. Aber diese im Video gezeigte Unterhaltung, ließ mich schon staunen. Es trifft auf mich nicht alles zu, aber mit einigen Eigenheiten kann ich mich durchaus identifizieren. Gut, das Video hat mich jetzt nicht so sehr erschüttert, wie man vielleicht denken mag. Dennoch ist es nicht verkehrt, sich mal zu fragen, wie wir gesehen werden.

Daher die Frage in die Runde an alle Triathleten, Läufer und sonstige Ausdauersportler: Wie seht ihr euch, oder besser: wie meint ihr, gesehen zu werden? Wie hoch ist euer Trainingspensum? Schafft ihre es Training und soziale Interaktionen mit Freunden und Arbeitskollegen unter einen Hut zu bekommen oder werdet ihr manchmal komisch angeschaut, wenn ihr mal wieder das Feierabendbierchen sausen lasst? Letztlich läuft alles auf die entscheidende Frage hinaus: Warum machen wir das? Worin liegt der Sinn einen oder mehr Ironman zu finishen?

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Schwimmt, fährt Rad und läuft!

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ok, ich bin kein Langstrecken-Triathlet, trainiere ab und an für einen Wettkampf (Kurzdistanz, HM oder Marathon) und werde trotzdem von einigen angeschaut, als wäre ich so eine Verrückte, die nichts anderes kann oder will. Dabei ist es aber eher so, dass ich für mich finde, meine Freizeit optimal mit dem zu gestalten, was mir wirklich Spaß macht und nicht sinnlos irgendwie, irgendwo abhänge. Meine Freizeit besteht zwar zu einem großen Teil aus Sport, aber es gehört einfach zu mir, so wie eben auch sehr viel anderes, wie Musik, Freunde und und und. Glück hat meiner Ansicht doch der, der mit viel Freude und Spaß genau das macht, was er möchte.

  2. Ja, die Sinnfrage kann man schwer in einem Kommentar abhandelt. 😉 Schaffe ich nicht mal ansatzweise. Der Sinn ergibt sich glaub ich erst, wenn man sich so ein Blog am Ende seines Lebens einmal durchliest. Aber Recht hast. Andere gehen auf Konzerte, sammlen CDs/LPs, lesen Mengen an Büchern, gehen mehrmals im Monat ins Theater oder machen sonst was. Zu diesen Menschen zähle ich mich z.T. zwar auch, aber die Gewichtung liegt eindeutig auf der sportlichen Komponente.

    So unglaubliche exzessiv betreibe ich den Sport jedoch nicht. Ich wundere mich schon, wie Berufstätige bis zu 20std/Woche und mehr an Training hinbekommen. Bis Roth 2011 hab ich lediglich knapp über 9Std. geschafft und hatte das Gefühl, dass ich hier das Ende der Fahnenstange erreicht hab.

    Aber mir fällt auf, dass ich schon abwäge, welche außersportlichen Aktivitäten – d.h. Socializing – mit meinen Trainingsplan konform gehen und welche nicht. Das Feierabendbierchen bleibt davon aber unangetastet. 😉

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