Vattenfall Cyclassics – Hamburg im Ausnahmezustand

NO_Cylassics

Das vorweg….129 Jedermänner und -frauen – so berichtete der NDR – haben es nicht geschafft. Mangelnde Fitness, irreparable Defekte und andere Ursachen vermasselte ihnen die Tour. Die Unglücklichen wurden dann vom unbarmherzigen Besenwagen eingesammelt und zu einer 4stündige Rundfahrt durch das Hamburger Umland genötigt.

Aber zurück “LOS”. Mindestens einmal im Jahr befindet sich die Hansestadt fest in den Händen des Zweiradvolkes, die die Straßen rund um Hamburg unsicher machen. Das ist leider wortwörtlich zu nehmen – zu oft werden die Vattenfall Classics von deftigen Stürzen im Amateurfeld überschatten. Aber damit muss man rechnen, wenn über 26.000 Veloritter auf Distanzen zwischen 55, 100 und 150km in die Pedale treten. Leider wissen nicht alle, wie man in einer großen Gruppe fahren muss, damit keiner zu Schaden kommt, und statt Vernunft regiert das Testosteron im Peleton. Zugegeben, auch ich kann auf ein paar Teilnahmen zurückblicken und fand es unglaublich aufregend; wenigstens das erste Jahr – 1997. Gerade habe ich noch eine Medaille der “Millenium”-Ausgabe gefunden und ich nehme an 2000 war tatsächlich mein letzter Start. Leib und Material sind mir dann doch zu schade gewesen, um weitere Starts zu sammeln. Zahlreiche Erzählungen (manchmal eher Horrorgeschichten) von Bekannten bestätigten mich in meiner Entscheidung. Nie wieder Cyclassics – vielleicht wenn ich 80 bin auf einem E-Bike, dem Pulk hinterher. Aber vorher nicht. Dann schau ich mir doch lieber das Spektakel als Zuschauer an. Mit meiner Freundin ging’s daher am Sonntagmittag in die Stadt, die Jedermänner bestaunen. Das war leider ein wenig zu spät. Nett war es trotzdem anzusehen und anzuhören. Überall von Glückshormonen trunkene, rührselige Cyclassics-Helden, die am Sieger-Bier nippend, sich ihre persönlichen Abenteuer erzählten.

Nach einem kurzen Blick auf den Zielkanal, der nur noch häppchenweise Teilnehmer ausspuckte, schlenderten wir auf die EXPO. Ich hatte vorsorglich noch meine schwächelnde Polar-Uhr mitgenommen, bei der immer nach 1,5 Monaten die Batterie ihren Dienst versagt – Grund: Ausgelutscht. Kann ja wohl nicht sein, wenn die normale Lebensdauer 2-3 Jahre beträgt. Vielleicht hab ich ja Glück und es befindet sich hier ein Polar-Service. Dem war so. Kurz mein Leid geklagt und die Uhr in fachkundige Hände gegeben. Nach 1h könne ich sie wieder abholen, so der Polar-Mann. Als Sportler fällt es einem nicht schwer auf einer Sportmesse die Zeit totzuschlagen. Ein paar Meter weiter hing vor dem Zelt von Paul Lange & Co.  Traube Menschen. Wagemutige durften sich auf einen Rollentrainier setzen und mit aller Gewalt eine 1km-lange Strecke abstrampeln. Cool! Kann man sich anschauen. Der Sprecher feuerte abwechselnd den Rad-Gladiator und die Zuschauer an. Nach 1:30 war der aktuelle Proband am Ziel. Es wurde der nächste Freiwillige gesucht. Hinter meinem Rücken zeigt meine Freundin auf mich. Diese Geste kam dem Sprecher gerade recht und ich musste vortreten. Da kommt man sich vor wie so ein Rummelboxer. Ab auf dem Sattel, eine kurze Einführung in die neue, elektronische Shimano-Schaltung bekommen und los ging’s. Wie ein Berserker malträtierte ich die Kurbel bis mir das Laktat aus den Ohren heraus kam. Eine kurze, flache Passage dann folgte eine 6%ige Steigung. Bämm – bleischwere und sauere Beine- der Tritt wurde sehr schwer. Nach 1:20min war ich im Ziel…und stieg – das ist mir jetzt irgendwie fast peinlich – mit butterweichen Beinen vom Sattel. So ein Kaltstart ist wirklich krass. und als Triathlet trainiert man ja auch ganz anders ;). Ich war fertig. Aber der Lohn der Mühen bedeutete Platz 2 und ich bekam – verdutzt – 2 Michelin Lithion 2 Reifen in die Hand gedrückt. Der Sieger erhielt einen Cateye-Tacho. Heheh…wie gut das ich nicht mehr ganz in Topform bin ;).

Jetzt erst mal ein Alsterwasser. Der plötzlich aufkommenden Durst musste gelöscht werden. Und schon war die Stunde um. Der Polarservice holt meine Uhr hervor, resümierte die erbrachte Leistung und drückte mir die Uhr in die Hand. Gewechselt wurde nicht nur die Batterie, sondern gleich die ganze Platine, und das für lau. Das nennt man Kundenservice. Ich sage: Danke! Die Profis ließen auch nicht lange auf sich warten und ich konnte noch ein paar nette Bilder schießen. Ach, die Jungs fahren schon tolles Material. Und wenn man die vielen Teamfahrzeuge an einem vorbeifahren sieht, wünscht man sich, dass da so ein Rad (in der richtigen Größe) einem direkt vor die Füße fällt…

 

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Schwimmt, fährt Rad und läuft!

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