Verdacht auf Kokzygodynie – Der Horror!

Kokzy…was? Kokzygodynie. Kurz: Das sind Schmerzen in der Steißbeinregion. Das ist an sich ja erstmal nichts Schlimmes, denn Schmerzen verschwinden auch wieder. Aber sowohl die Schmerzen per se als auch diese Tatsachen, dass sich eine Ursache oft nur schwer ausfindig machen lässt, machen diese Schmerzen zu einem echten Martyrium.

Mögliche Ursachen sind schlecht verheilte Verletzungen bzw. Frakturen oder angeborene Fehlbildungen des Steißbeins, tiefe BandscheibenvorfälleTumoren, mechanische Überlastung nach Geburten und Unfällen, chronische Verstopfung, Erkrankungen der Ansatzsehnen der Muskeln des Beckenbodens oder der Beckenorgane. (Quelle: Wikipedia) Anmerkung des Autors: Auch psychische Leiden, z.B. Depressionen können ursächlich sein. Kurzum, irgendwie alles Mögliche. 

Am Samstag schien die Welt noch in Ordnung zu sein. Bei meiner Schwester hab ich kurz die Bohrmaschine rattern lassen und mich am späten Nachmittag noch kurz aufs Rad geschwungen. Programm: GA1 + zweimal 10min mit Qualität; für meinem letzten Einsatz 2011 beim TriBühne-Triathlon in Norderstedt.

Als ich am Sonntag wach wurde, merkte ich gleich: Hier stimmt was nicht. Mein Steißbein schmerzte, wenn auch nur ein wenig. Aber wieso? Schließlich bin ich nicht gestürzt oder hab mich blöd hingesetzt oder sonst was gemacht. Erstmal ignorieren – wird schon weggehen. Blöderweise hab ich den halben Nachmittag sitzend vorm PC verbracht. Keine gute Idee, denn als ich aufstand durchzog mich ein echt übler Schmerzblitz. Was tun? Klar googlt man erstmal. Durchforstet man aber zu viele Seiten und Foren wird man auch mal schnell zum Hypochonder. Anders als bei “irgendwelchen Schmerzen im Fuß” scheint eine Diagnose bei Steißbeinschmerzen relativ schnell möglich zu sein – denkt man. Wie gut, dass ich zwei Ärzte im Freundeskreis hab, die könnten mir jetzt helfen. Handy geschnappt, kurz angerufen und mein Leiden geschildert. Keine Ahnung wieso, aber ich musste die ganze Zeit über mein Leiden lachen. Wäre es nicht zu schmerzhaft gewesen, hätten ich wohl herzhafter gelacht. Ich lauschte also der Ferndiagnose und fiel gar nicht gut aus. So eine Kokzygodynie tritt meist spontan auf und kann – jetzt kommt die gute Nachricht – auch genauso spontan wieder verschwinden. Die schlechte Nachricht war jedoch, dass so was auch mal chronisch werden kann, d.h. es zieht sich über Jahre hin weg. Halleluja. Und man kann dabei relativ wenig machen. Noch ein Halleluja. Das Steißbein scheint ein wenig der Blinddarm des Endoskeletts zu sein. Jeder hat’s und meist gibt es keine Probleme. Wenn ja, dann wird es extrem schmerzhaft. Das Einzige, was vielleicht hilft sind Voltaren-Tabletten. Damit sollte ich es erst mal probieren – also gleichmal zwei Stück geschluckt. Wenn das nicht hilft….tja. Was dann? Ich rechnete mit dem Schlimmsten. Wie gut das die Saison quasi vorüber ist. Echt!

Das Abendessen gestaltete sich schwierig. Sitzend war es ja nicht einzunehmen. Mal auf der einen Backe, mal auf der anderen sitzend, dann wieder hockend, schnabbulierte ich meine Sommerrollen. Jetzt erst wusste ich so ein schmerzfreies Steißbein zu schätzen. Für den Tatort fand ich zum Glück eine recht angenehme Position. Mit dem Rücken auf dem der Couch, Beine auf dem Hocker und den Hintern durchhängend. Ja! So ging’s ganz gut. Bloß nicht zu sehr bewegen….denn sonst AUA! Ab und zu horchte ich mal in die unteren Regionen. Nach gut 2 Stunden fühlte es sich schon wieder ganz gut an. Während der “Methode Hill” im ZDF lief, wagte ich die Po-Muskulatur ein wenig anzuspannen. Aber gaaanz vorsichtig, denn selbst das war vor ein paar Stunden kaum auszuhalten. Hmmm, ja. Fühlt sich gut an. Ich begann ein paar Lockerungsübungen – liegend. Das schien auch ein wenig zu helfen. Auf jeden Fall wurde es nicht schlimmer. Als ich ins Bett ging, freute ich mich sichtlich über eine relative Schmerzfreiheit. Am nächsten Morgen war schon fast nichts mehr zu spüren. YEAH! Den Termin beim Orthopäden ließ ich daraufhin sausen. Weshalb zum Arzt gehen, wenn man (fast) nichts mehr hat? Ich smste meine “Spontanheilung” meinem Freund, der daraufhin an seiner Erstdiagnose zweifelt. Puh! Ich scheine ja nochmal mit einem blauen Auge davon gekommen zu sein. Den Montag verbrachte ich im Büro natürlich sitzend. Mit der Zeit kehrt ein diffuser Druck in der Steißbeinregion zurück…wurde aber nicht wirklich schlimmer. Ich hoffe, das bleibt so. Denn auf ein solches Leiden hab ich überhaupt keine Lust. Nicht mehr sitzen zu können ist die Grausamkeit pur. Erst dann merkt man, wie viel Zeit man auf seinen 4-Buchstaben verbringt.

Ein Erklärung für diese spontane Schmerz-Attacke meines Körper hab ich natürlich nicht. Ich bin nur froh, dass alle System wieder relativ gut laufen. Zum Schluss fiel mir noch eine mögliche Erklärung ein, die durch einen Artikel auf Onmeda unterstützt wird. Unter anderem kann auch das (zu lange) Sitzen  auf zu harten Fahrradsätteln ursächlich sein. Ich denke, es wird wohl daran gelegen haben. Am Samstag war ich – wenn auch nur kurz  – unterwegs; keine 2 Stunden. Zuvor hatte ich keinerlei Problem mit dem Sitzen auf meinem alten Stahlrenner. Ich hatte auch keinerlei Veränderungen am Setup vorgenommen. Rufe ich mir vor meinem geistigen Auge jedoch meine Position auf – insbesondere jene, die ich bei den Intervallen eingenommen hatte – so scheint mir hier die Ursache zu liegen. Ich fahre mit etwas Überhöhung – spricht der Sattel liegt gute 10-12cm über dem Lenker. Das ist jetzt nicht so heftig. Fahre ich aber im Unterlenker, nehme ich eine noch flachere Position ein. Das Körpergewicht liegt jetzt nicht mehr ausschließlich auf den Sitzknochen, sondern verlagert sich hin in Richtung Steißbein, bzw. wird diese Region durch eine flache Sitzposition nicht unerheblich mechanisch gereizt. Das sind jetzt nur Vermutungen. Ich werde das aber weiterhin beobachten.

 

Veröffentlicht von

Schwimmt, fährt Rad und läuft!

5 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Um Himmelswillen, was es nicht alles gibt und dann immer gleich so schmerzhaft. Gut, dass es nun besser scheint, aber ich denke, Vorsicht ist geboten, wenn man nicht nur auf Spontanheilung hoffen möchte.

    Sitzen, egal wo und wie ist ja scheinbar die Ursache vieler Übel. Da bin ich ja froh, dass ich meine Leiden nicht auf´s Rad schieben muss, sondern nur auf mich selbst als Schreibtischtäter.

  2. 😀 Ja, ich bin auch immer wieder erstaunt, was der Körper so für Spezial-Leiden bereithält. Dabei versuche ich schon sehr auf meinen Körper zu hören. Aber bei solchen spontanen Erscheinungen ist man einfach machtlos. Echt nervig. Apropos Sitzen als Ursache vieler Übel….ich werde jetzt mal aufstehen und mir nen Kaffee holen.

    • Fast 1 Jahr? Das ist ja grausam. Und noch viel schlimmer ist, dass man nie genau weiß, was die Ursache ist und wann man wieder schmerzfrei sein wird. Ich hatte jedenfalls keine Beschwerden mehr. Ich wünsche Dir, dass die Schmerzen restlos verschwinden und nicht mehr auftauchen.

Schreib einen Kommentar