Contador des Dopings überführt – 2 Jahre Sperre. Und jetzt?

Quelle: Sportschau.de

Gerade eben hab ich die Meldung der Sportschau auf Facebook gelesen: Zwei Jahre Sperre für Tour-Sieger Contador.

Quelle: Sportschau.de

Binnen 37 Minuten hat der Post 270 Likes bekommen und zahlreiche Kommentare. Unterm Strich ist der Radsport der Buhmann aller Sportarten. Wie öde! Als würde es in anderen Sportarten anders aussehen. In den zahlreichen Kommentaren spiegelt sich eins wider: Der Radsport, als “fahrende Apotheke”, ist an Lächerlichkeit kaum mehr zu überbieten und gehört weitestgehend abgeschafft. Die Diskussion ist nicht neu und dreht sich um sich selbst – wie im Übrigen viele solche Debatten, bei denen es um Grundsätzliches geht. Aber darum geht es gerade nicht.

Endlich! Nach Jahren des Hin und Her hat der Radprofi Contador endlich seine verdiente Strafe bekommen. Trifft es einen, trifft es alle und der Radsport steht mal wieder im Zentrum der Dopingdiskussion. Zu recht? Ist denn der Radsport wirklich so schlimm? Natürlich ist im Radsport so einiges im Argen. Aber sind wir doch mal ehrlich; letztlich ist doch keine Sportart frei von Athleten, die sich dopen oder die gedopt werden. Gerade bei jenen Sportarten, die im Breitensport verankert sind, werden Athleten zu Höchstleistungen getrieben – und genau das wird erwartet: von den Sponsoren, Verbänden, Funktionären und natürlich von uns, den Zuschauer! Egal ob Radsport, Triathlon, Laufen, Biathlon oder auch Fußball.

Verfolgt man die Diskussion, lässt sich erkennen, dass man versucht, eine Lösung für das Dopingproblem zu finden. Zuvörderst steht für mich aber die Frage: Was ist Doping? Doping scheint eine “Definitionssache” zu sein. Man hat irgendwann mal begonnen in einer Liste – mehr oder weniger willkürlich – Mittelchen aufzuführen, die man als “verboten” deklariert, weil sie eine leistungssteigernde Wirkung haben. Was aber ist z.B. mit Schmerzmitteln? Schmerzen sind immer ein Signal für eine Fehlfunktion im Organismus, z.B. durch Überlastung. Sie sind die natürliche Grenze der aktuellen Leistungsfähigkeit. Durch Schmerzmittel werden diese Signal ausgeschaltet und der Athlet kann sich über die Grenze hinweg belasten. Ist das jetzt kein Leistungssteigerung? Oder was ist ist Energierdrinks, Energieriegel…die Liste von Substanzen, die die Leistung steigern, NICHT aber auf der Dopingliste stehen, lässt sich weiterführen.

Der Kern der Diskussion muss als ein ganz anderer sein. Was erwarten wir von uns – von uns als Menschen? Welche Leistungen können wir erbringen? In unserer Gesellschaft ist doch das Mantra des Höher, Schneller, Weiter  omnipräsent. Egal, ob im Berufsleben, im Sportverein oder eben auch im Profisport – und da besonders. Wer zu wenig Leistung bringt fliegt raus.

(Anmerkung am Rande v. 8.2.12: Ich bin darauf aufmerksam gemacht worden, dass ich hier auch die Frage nach der Ethik/Moral hätte stellen sollen. Letztlich sehe ich sieschon immanent platziert – wenn gleich auch mit einem ausgeprägt sportlichen Fokus. Denn frage ich nach der Leistungsbereitschaft des Menschen, sehe ich damit auch die Frage Immanuel Kants bedient: Was soll ich tun? Sicher muss man auch auf die allgemeine Werte unserer Gesellschaft eingehen, aber m.E. schlagen die sich ein Stück weit im Sport nieder.) 

Viele machen es sich da zu einfach, indem sie den Radsport als Sündenbock an den Pranger stellen. Dass es sich um ein systemimmanentes Problem handelt, verkennt offenbar die Masse.

PS. Was ich der Vollständigkeit halb vergaß zu erwähnen: Die Ermittlung gegen Lance Armstrong wurden, 72h vor dem Urteil gegen Contador, eingestellt – am Weltkrebstag. 😉

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Schwimmt, fährt Rad und läuft!

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