Die Leiden des jungen K. – oder: So macht Laufen keinen Spaß

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Ich hab zwar keine Ahnung, wie Goethe über Sport an sich gedacht hat, aber dafür gibt es andere Persönlichkeiten der Weltgeschichte, die das offen formulierten. “Sport ist Mord.” soll z.B. Churchill sinngemäß einmal gesagt haben. Ob das wirklich dem ehemaligen britischen Premier zugeschrieben werden kann, ist sicher mehr als strittig, dennoch hat sich dieses Bonmot in den Köpfen von Sportlern und Nichtsportlern festgesetzt. Zwar ist No sports! auch nicht die Lösung, aber trotzdem beklagen sich Sportler oft  über irgendwelche Wehwehchen – man braucht nur mal einen Blick in die einschlägigen Foren zu werfen, da wird über die unterschiedlichsten Gebrechen geklagt und man wundert sich, wie diese Menschen immer noch ihren Sport ausüben können – nicht selten können sie es nicht. Mittlerweile hat auch mich das ein oder andere Leiden erwischt. War es letztes Jahr ein leichter Bandscheibenvorfall, darf ich nun zwei weitere lauftypische Leiden meiner Sedcard hinzufügen. Aber der Reihe nach.

Was ist passiert? Vor ein paar Wochen fing’s außen am rechten Knie zu zwicken an. Naja, egal. Wird schon gehen. Irgendwo ziept es ja immer. Typische Läuferreaktion. Ich war guter Dinge, dass die leichten Schmerzen bald wieder verschwinden werden. Die dachten aber nicht daran. Anfangs konnte ich es noch ignorieren, später musste ich Läufe abrechen. Das geplante Training konnte ich getrost vergessen. Blöd, hatte ich mir doch so einiges vorgenommen. Nach ein paar Minuten Googlelei, war ich mit meiner Selbstdiagnose sicher: ITBS – ein echter Klassiker. Vom Arzt hab ich dann auch gleich die Bestätigung bekommen. Echt saublöd. Falsch oder nicht behandelt kann einem das die ganze Saison verhageln. Der Arzt (Namen nenne ich mal lieber nicht) sah das scheinbar relaxt. Ist ja nicht sein Knie.

Let the Odyssey begin. Ich bekam einen blöde Bandage und ein TENS-Gerät verschrieben. Bandage? Immer wenn ich Läufer mit einem solchen Teil sehe, denke ich: Pseudo-Haile, lass doch das Laufen sein, wenn’s Probleme gibt. Das TENS Gerät bekam ich von meiner Krankenkasse dann später zu geschickt – eine Einweisung hab ich bisher immer noch nicht bekommen. Der Arzt fühlte sich schlicht nicht zuständig, die Krankenkasse ebenfalls nicht. Nach etlichen Telefonaten, hat der Arzt einen Brief von der Kasse bekommen. Aber Papier ist bekanntlich geduldig. Eine Antwort blieb mir Doc bisher schuldig. Danke!

Aber die Wirkung einer TENS-Behandlung ist ja eh sehr umstritten. Zum Glück hab ich von anderer Seite Krankengymnastik verschrieben bekommen und mir vom Niendorfer Laufladen einen guten Physiotherapeuten empfehlen lassen. Nach zwei Wochen Pause schien das Knie wieder soweit zu funktionieren. Das schreit ja geradzu nach einem Testlauf: 10km und ein paar Sprints auf der Bahn später war der erster Eindruck sehr gut. Der zweiter Eindruck – am nächsten Tag – war weniger prikelnd: Wieso hab ich muskelkaterähnliche Schmerzen in der unteren Bauchregion? Die Schmerzen traten immer dann auf, wenn ich die Beine energetisch zueinander ziehe. Ein Beispiel: Man stellt sich breitbeinig hin und zieht dann die Beine zueinander. Die Adduktoren müssen da kräftig arbeiten und das verursacht einen leicht stechenden Schmerz. Diese Woche kam dann auch gleich die ernüchternde Diagnose eines lauf- und triathlon-erfahrenen Arztes: Reizung des Schambeins oder lat. Ostitis pubis, oder wie man auch sagt: weiche Leiste, Schambeinentzündung oderwasauchimmer.

Mit der Diagnose in der Hand, fängt die Suche nach der Ursache an – und da passt so manches nicht zusammen. Eine Schambeinentzündung ist nicht selten das Resultat eine Überlastung – sprich: bei reinen Läufer, ein hohes Wochenpensum. Doch zum einen hatte ich zwei Wochen keinen Laufkilometer absolviert, zum anderen waren auch davor meine Umfänge mit 30-40km nicht gerade rekordverdächtig. Vielleicht ist auch hier, wie schon beim ITBS, das leichte Overcrossing, eine instabile Hüfte und die lauftechnische Umstellung auf den Vorfuß Schuld an der Misere. Aber auch Probleme mit dem ISG können eine Rolle spielen und da bin ich leider kein unbeschriebenes Blatt. Wie man es auch dreht und wendet, ich bin alles andere als begeistert, denn 2012 wollte ich in Roth auch der Langdistanz zum vorerst letzten Mal so richtig einen raushauen. Stattdessen steht jetzt wieder eine Laufpause auf dem Plan, so eine echte Pause mit nullkommanull Kilometern. Das wäre dann die 2. zweiwöchige Pause. Zusätzlich soll ich Voltaren für 10 Tage nehmen und Krankengymnastik gab’s noch on Top. Das Roth-Barometer fällt so langsam aber sicher.   Hmpf! Als Deadline für eine endgültige Entscheidung hab ich mir das Trainingslager auf Fuerteventura gesetzt – Mitte April. Wenn ich da schmerzfrei bleibe, dann starte ich. Wenn nicht, dann werde ich wohl als Zuschauer an der Strecke stehen.

Ausblick: Schauen wir mal, was passiert. Zum Glück halte ich mich für einen moderaten Triathleten – sprich einer, der nicht auf Teufel komm raus trainieren muss – notfalls unter Einsatz von Schmerztabletten. Daher werde ich die Laufpause strikt befolgen und auch sonst keinen Sport machen, der die betroffenen Regionen reizt; was man mit ohnehin mit an die Hand gegeben hat.

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Schwimmt, fährt Rad und läuft!

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Dann wünsche ich dir mal alles Gute. Erhol dich gescheit und versuche die Beine stillzuhalten auch wenn es schwer fällt.
    Gut, dass ich vor einem Jahr noch nicht so viele Laufblogs abonniert habe. Ist ja teilweise schon erschreckend mit welchen "Wehwehchen" sich die Laufgesellschaft rumschlägt.

    • Danke Markus. Als Triathlet befinde ich mich ja in der sehr komfortablen Position zwei weitere Sportarten auszuüben und somit hab ich gute Alternativen, wenn ich mal nicht Laufen darf. Aber in Anbetracht, dass ich in Roth gerne starten würde, ist es schon extrem ärgerlich, dass ausgerechnet jetzt solche Dinge passieren – zumal es ja nur noch 121 Tage sind. 😮 Naja, dafür konnte ich mich 2011 quasi problemlos vorbereiten.

  2. Und… wie ist der Stand 2014?

    Ich würde gerne wissen wie sich die Sache entwickelt hat… denn bei mir ist fast genau (nicht Knie aber an der Wade) passiert, genau die gleiche Erfahrung mit Orthopäden, Therapeuten, TENS, (sogar beim Neurologen und MRT bin ich gelandet), bis bei der Laufanalyse das wort “overcrossing” raus kamm.
    Jetzt bin ich dabei auf 2 imaginäre parallelen Schienen zu gehen.. und laufen.

    • Hey Sisley, also 2012 hat sich alles Zum Guten gewendet. Bekanntlich konnte ich in Roth starten und hab auf dem Niveau von 2011 gefinisht.
      Zwischen der wolkigen Diagnose und dem 3:30 Marathon in Roth ist natürlich auch noch etwas passierte. Eine Schambeinentzündung war es nicht, sondern mal wieder das ISG. Mein Physio hat mich eingerenkt und weiter behandelt. Danach war alles wieder im Lot.
      Nichtsdestoweniger achte ich beim Laufen eine stabile Hüfte, Läuferdreieck und Vor- bzw. Mittelfusstechnik. Für eine stabile Hüfte ist daher kontinuierliches Rumpfstabi-Training notwendig. Nervt zwar, aber anders geht es leider nicht, denn eine stabile Hüfte ist das A und O. Wenn man hier nach links oder rechts eingeknickt, leidet der Rest des Körpers. Das geht eine Zeit gut, aber irgendwann rächt es sich.

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