Hamburg, die Fahrrad(un)stadt

Bild: Sebastian Lux  / pixelio.de

Die jüngste Studie des ADFC über das Fahrradklima in deutschen Städten (>200.000 Einwohner) stimmt mich traurig. Mein “Perle” belegt in diesem Raking den vor-vor-vor-vor-letzten Platz – d.h. Rank 34/38. Note: eine satte 4,4. Sieben Jahre zuvor befand sich die Hansestadt an der Elbe auch nur auf Platz 28 – was sogar die rote Laterne bedeutete. In Anbetracht dessen, das Hamburg 2011 Umwelthauptstadt Europas gewesen ist, muss man sich frage: mit welchem Recht? Sind doch die verkehrstechnischen Aspekte ein Kriterium, um als Umwelthauptstadt zu gelten. Der Zweiradverkehr scheint aber nur eine Nebenrolle zu spielen.

ADFC Ranking

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Zum Glück gibt es Organisationen, wie z.B. Critical Mass oder eben den ADFC, die sich für bessere Bedingungen für Radfahrer engagieren. Es ist ja auch weithin bekannt, dass die meisten Fahrradwege in der Hansestadt hoffnungslos veraltet sind – zu schmal, zu kaputt, von zu vielen Ampeln unterbrochen, was den Verkehrfluss auf dem Rad ungemein bremst. Regelmäßig kommen sich Fußgänger, Rad- und Autofahrer in die Quere. Hamburg weiß um sein verrottetes Radwegenetz. Erst kürzlich veröffentlichte das Hamburger Abendblatt einen Artikel, in dem CDU-Bezirkspolitiker Ploß von „traurigem Rekord“ spricht – danach sind 342 Radwege marode. Aber die Erkenntnis, dass es um Hamburgs Radwege schlecht bestellt ist, reicht nicht aus, liebe Politiker. In regelmäßigen Abständen sieht man hier Handlungsbedarf und gelobt Besserung. Aber dabei bleibt es. Zum einen verschließen sich die Geldschatullen auf wundersame Weise bei diesem Thema, zum anderen fließen dann aber immer  wieder Gelder für monströse Prestigeobjekte wie die Elbphilharmonie. Und wenn Radwege saniert werden, dann am Bedarf vorbei. Da wird der Radweg auf einem ohnehin zu schmalen Gemeinschaftsfläche für Radler und Fußgänger aufwendig saniert – und bleibt dennoch wenig nutzbar. Mit dem Ergebnis, dass die Radfahrer doch die Straße nutzen, um niemanden in die Quere zu kommen. Auf Dauer kann das ja auch keine Lösung sein. Schließlich können nicht alle Radler auf die Straße. Im Prinzip muss ein komplett neues Verkehrskonzept her. Vielleicht sollte man sich einfach mal von anderen Städtplanern beraten lassen, als immer sein eigenes Süppchen kochen zu wollen. Wozu gibt es Experten? Kopenhagen ist ein glänzendes Beispiel, wie man Radwege ins Gesamtverkehrsnetz sinnvoll integrieren kann. Gelingt dies, steigt auch die Motivation vom Auto auf’s Rad umzusteigen. Aber es gibt ja auch genug positive Beispiel innerhalb der deutschen Grenzen – siehe Münster, Freiburg, oder wenn’s größer sein soll auch München. Also liebe hamburger Städteplaner…greift zum Hörer, tippt ne Mail und schickt ne Brieftaube. So kann es hier einfach nicht weitergehen.

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Schwimmt, fährt Rad und läuft!

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