Filmtipp: Die Geheimnisse des perfekten Läufers.

Läufer
Screenshot: Der perfekte Läufer.

Screenshot: Der perfekte Läufer.

Ich habe kürzlich eine interessante Doku gesehen. Der Inhalt ist schnell wieder gegeben. Ein Anthropologe macht sich auf die Suche nach den Geheimnissen des “laufenden Menschen”. Er geht der Frage nach, ob homo sapiens sich zu Urzeiten emanzipieren konnte, weil er denken kann, oder ob er sich selbst als “Krone der Schöpfung” bezeichnen kann, weil er die Fähigkeit besitzt zu laufen – nicht unbedingt schneller, dafür aber ausdauernder als so manch anderes Tier. Es mutet ein wenig wie die Huhn-Ei-Frage an. Was war zuerst da – das Huhn oder das Ei?

Laienhaft betrachtet sind es wohl beide Seiten, die den Menschen vor Fressfeinden in jungen Jahren den Arsch gerettet haben werden. Hätte er die Fähigkeiten gehabt zwar schnell aber “kopflos”  zu laufen, dann säße ich jetzt nicht vorm Rechner. Und als schlaues aber langsames Fresschen für ein Raubtier hätten wir es ebenso wenig ins 21. Jahrhundert geschafft. Eine gewisse Art von Intelligenz gepaart mit einem einzigartigen Bewegungsapparat sind augenscheinlich die Ingredienzien für eine erfolgreiche Ausbreitung unserer Spezies. Gut, “erfolgreich” kann man jetzt diskutieren – wenn wir weiterhin so erfolgreich sind, droht am Ende die Selbstzerstörung – drastisch betrachtet. Nicht von der Hand zu weisen ist jedoch, dass wir uns gegen zahlreiche andere Arten durchgesetzt haben.

Bei aller Intelligenz und dem aus unserem Erfindungsreichtum resultierenden Status quo, scheint uns eine Fähigkeit abhanden gekommen zu sein. Wir können nicht mehr “laufen” und haben uns regelrecht zu seinem homo sedens entwickelt. Mussten wir gestern noch dem Essen hinterherjagen, brauchen wir dafür heutzutage noch nicht mal unseren Hinter aus dem Sitz zu heben –Pizzadienst und Drive-Thru sei Dank. Naja, ich wünsch mir jetzt auch nicht die Zeiten zurück, in der es ums nackte Überleben ging und man sei Futter sammeln und jagen musste, und nicht selten selbst zur Beute wurde. Aber es lohnt sich drüber nachzudenken, zu was der menschliche Körper in der Lage ist oder vielmehr war.

So fasziniert mich beispielsweise der Fakt, den der “Barfussprofessor” Daniel Lieberman aufgreift. Der Mensch ist mal Ausdauerjäger gewesen – d.h. er hat seine Beute so lange gehetzt, bis der Organismus des Beutetieres nicht mehr konnte. Das bedeutet, wir waren in der Lage ein Gnu oder andere Tiere “laufend” zu erlegen, die von der Papierform her dem Menschen deutlich überlegen schienen. Noch nicht mal Speer oder Pfeil und Bogen brauchte er dafür. Denn Waffen wurden erst sehr viel später erfunden. Heutzutage kommen Menschen schon beim bloßen Treppensteigen schnaufend an der obersten Stufe an – wenn überhaupt. Was für ein Bewegungselend.

Aber geht um viel mehr, als nur ums Laufen per se. Bewegung, Ausdauer, Sport, Ultraläufe, Leidensfähigkeit…all das, was heute vielen als un- oder übermenschliche erscheint, sind gerade sehr natürliche, sehr menschliche Leistungen. Es steckt in unserer Genen, in unseren Körpern. Traurig, dass wir mit der Zeit diese Fähigkeiten haben verkümmern lassen. Nur einige wenige haben den Elan diese zu reaktivieren um damit in den Genuss diese einzigartigen Fähigkeiten unserer Physiognomie zu kommen.

Neben diesen Allgemeinplätzen bringt die Dokumentation auch kleine, wundervolle Details ans Licht, über ganz spezielle Eigenschaften unseres Körpers, die nur beim Laufen aktiviert werden – und von denen ich bisher keine Ahnung bzw. mir keine Gedanken gemacht hatte. Zum Beispiel:

  • Das Fußgewölbe. Es hat eine federnde Eigenschaft. Es steuert bis zu 17% der mechanischen Energie bei, die wir zum “Laufen” benötigen.
  • Bei der Achillessehne ist es noch extremer: Als passive Feder spannen sie sich beim Laufen und gibt bis zum 35% der Energie ab – einfach so.

Diese Dinge machen deutlich, was für ein unbezahlbares Kapital unser Organismus ist und wir sollten diese menschliche Ressource sinnvoll nutzen. Bei aller Intelligenz, der Mensch ist einfach zum Laufen geboren. Alles andere scheint wider seiner Natur. Oder liege ich falsch? So… ich muss los – laufen.

Veröffentlicht von

Schwimmt, fährt Rad und läuft!

Schreib einen Kommentar