Rollentausch – Meine Erfahrungen als Coach

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Quelle: S. Hofschlaeger / pixelio.de

Worüber kann ich mal schreiben? Das ist so eine Frage, die taucht immer am Ende einer Woche auf, kurz bevor sich das Zeitfenster zur Beitragsabgabe bei den Ironbloggern Hamburg schließt. Der Angstschweiß steht mir auch schon wieder auf der Stirn ;). Ich will aber auch nicht über irgendein belanglosen Scheiß schreiben. Daher berichte ich in diesem Post mal von meinen Erfahrungen als Coach. Warum ich es mache, was es mir selbst bringt und warum ich es nur wärmstens empfehlen kann,  wenn man die Möglichkeit hat, sich auch mal an den Beckenrand zu stellen.

Ich bin jetzt seit gut 9 Monaten Trainer beim NTSV in Hamburg, und wie die Jungfrau zum Kinde an diesen “Job” gekommen. Ich trainiere immer Dienstags und Donnerstag “nur” 1 Stunden mit der Wettkampfmannschaft, bei der ich regelmäßig die rote Laterne in der Hand halte. Was, und so einer wird Trainer? Ja. Irgendwann fragte man mich, ob ich nicht die Senioren und die Triathleten-Gruppe von 21 Uhr bis 22 Uhr übernehmen möchte. Naja, an sich nicht so gerne. Das wird n saulanger Tag. Von 9Uhr in der Agentur zu deinem eignen Training hetzen, dann noch bis 22 Uhr in der Halle andere durchs Wasser prügeln? Da biste ja wirklich erst sehr spät zu Hause. Aber andererseits…warum nicht?

1. Payback: Du lässt dich seit 30 Jahren trainieren. Da ist es mal Zeit es zurückzuzahlen.
2. Einfach mal Verantwortung übernehmen.
3. Wissen und Erfahrungen weiterreichen. Schließlich weißt du wie der Hase läuft bzw. wie der Fisch schwimmt.
4. Neue Erfahrung zu sammeln, hat noch niemanden geschadet.

Gesagt getan. Irgendwann stand ich dann leicht nervös vor einer Reihe von Familienvätern und -mütter, gestandenen Erwachsenen, denen ich nun sagen musste, was sie zu tun haben. Ein Haufen Fragen beschäftigten mich: Worauf muss ich achten? An welchen Schrauben muss ich drehen, um deren Technik zu verbessern. Ich bin schließlich kein ausgebildeter Trainer. Wie ist so ein Training zu strukturieren? Und…wie lerne ich all die Namen auswendig?

Die Sache mit den Plänen konnte ich ziemlich schnell lösen. Zum einen hab ich meine ersten Pläne vom Vor-Coach bekommen und zum anderen bekommt man mit der Zeit ein gutes Gefühl dafür, was man auf seinen Zettel schreiben sollte. Bonus: Bei meiner Gruppe geht es primär darum Spaß zu haben und sie nicht zu Höchstleistungen zu bringen. Das heißt nicht, dass ich sie nur ihre Bahnen runterschwimmen lasse. Sicher nicht! Dafür steht ein “Trainer” sicher nicht am Beckenrand.

Technik, sie zu begeistern 
Die Schwimmstile meiner Eleven sind alle sehr…sagen wir mal individuell. Während die Fortgeschrittenen mit einer guten Technik ausgestattet sind, hat sich auf der Triathlon-Bahn ein z.T. sehr “eigenwilliger” Stil eingebrannt. Den zu knacken und zu verbessern, ist nun meine Aufgabe. Schade nur, dass ich die Damen und Herren nur 1x wöchentlich  im Wasser habe. Egal. Mach das Beste draus. Mit Kamera und Laptop bewaffnet hab ich dann (gefühlt) erstmalig in der Vereinsgeschichte eine individuelle Technikanalyse vorgenommen. Der Vorteil liegt auf der Hand: Sie erkennen ihre Schwächen schneller und verstehen in der Folge meine Anweisungen worauf zu achten müssen viel besser. Erfolge stellen sich so schneller ein. Und wirklich, erste Verbesserungen waren relativ schnell zu sehen.

Trainieren ist auch Selbst-Training
Agiert mal als Coach, setzt man sich zwangsläufig immer auch mit der Materie auseinander, die man versucht zu vermitteln. Indem ich mich autodidaktisch weiterbilde, bin ich in der Lage auch meine eigene Technik zu reflektieren. Das wiederum hilft mir die Technik per se viel besser zu verstehen, als würde man sie als Hobbyschwimmer nur “konsumieren”. Ich weiß daher auch, worauf ich bei Dritten achten muss.

Socializing
Ein weiterer Punkt ist das Zwischenmenschliche. Ich habe meine Gruppe sehr schätzen gelernt und es mir schon sehr wichtig sie zu trainieren. Auch an sehr stressigen Tagen komme ich gerne in die Halle um sie zu fordern, ihnen neue Dinge beizubringen oder einfach mal einen Schnack während oder nach dem Training zu halten. Vor allem fühlt es sich gut an, wenn man als Trainer ein Lob von seinen “Schülern” für das Programm bekommt. Da weiß man: Ha, alles richtig gemacht!

Die Sache mit der Verantwortung
Auch, wenn es “sportlich” um nicht viel geht (“Nichts” will ich nicht sagen, denn das würde der Sache nicht gerecht werden, immerhin starten einige beim Hamburg Triathlon und anderen Wettkämpfen), bin ich mir meiner Verantwortung bewusst.  Letztlich herrscht auf beiden Seite eine gewisse Erwartungshaltung. 1. Ich gehe davon aus, dass sie etwas lernen wollen. 2. Ich möchte, dass sie sich weiterentwickeln. 3. Der Spaß darf dabei nicht auf der Strecke bleiben. Es ist also wie im Arbeitsleben.

Unterm Strich
Der Trainer-Job ist für mich eine echte Bereicherung – auf mehreren Ebenen: sportlich, beruflich und somit auch persönlich. Ich kann mir gut vorstellen, dieses Thema weiter zu vertiefen und z.B. bei Gelegenheit eine Trainerlizenz zu machen. Meine Empfehlung lautet: Solltet ihr die Chance bekommen und zudem eine gewisse Affinität für solche Unternehmungen verspüren, lautet meine Rat: Tut es. Es macht verdammt viel Spaß!

Veröffentlicht von

Schwimmt, fährt Rad und läuft!

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ähnliche Bedenken hatte ich auch und deswegen noch nicht das Projekt Trainerlizenz in Angriff genommen. Gut zu wissen, dass es a) auch ohne geht und b)man einfach machen sollte :)

    • Och, so eine Lizenz würde ich schon gerne machen. Ich denke, dass man schon viel Wissenswertes mit an die Hand bekommt. Aber grundsätzlich kommt es immer darauf an, wenn man trainiert und was die Ziele sind. Einen ambitionierten Triathleten, der die Sub9h auf einer Langdistanz anpeilt zu trainieren, ist schon etwas anderes. 😉

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