Radgeschichten: Primavera an der Waterkant

prima|vera [prima’vɛːra] f Frühling m; Radrennen – führt 290km von Mailand nach San Remo. Der wichtigste und berühmteste Frühjahrsklassiker Italiens. Es wird wird auch Classicissima genannt. 

Primavera

An sich stand Ostersonntag ein langer GA1-Lauf auf dem Programm. Aber heute durften meine Rennsohlen pausieren, denn meine entzündeten Augen registrierten, dass sich das Quecksilber tatsächlich mal wieder in die Bereiche jenseits der 0 Grad traute. Daher wurde der Asphaltbock gesattelt und ausgeführt. Anfangs nicht ganz schlüssig, was ich bei 6 Grad anziehen sollte, entschied ich mich – nein, nicht für das kleine Schwarze auch auch auf die dicke Winterpelle verzichtete ich, für ein insgesamt eher frühlingshaftes Setup – wenn schon Primavera, dann auch richtig: lange, leicht gefleecte Hose, langes Unterhemd und Übergangsjacke + Weste und Themoüberschuhe sollten reichen. Da ich seit November 2012 keinen einzigen Trainingskilometer auf dem Rad gemacht habe, war ich schon sehr gespannt, was meinen Beinchen zu dieser ungewohnten Belastung sagen würden.

Gemächlich rollte ich los. Der Wind war schon noch sehr frisch, aber man spürte die wärmenden Sonnenstrahlen im Gesicht und an der dunklen Kleidung. Ja…so fühlt sich der Frühling an. Endlich. Boah, nee, wat is das schön! Der Ritt war wie ein Abschied und eine Begrüßung zugleich. Einerseits fuhr ich an enormen Schneefeldern vorbei, die nun angezählt in der Sonne unweigerlich dem klimatischen K.o. entgegenschwitzten, andererseits strecken an besonders windgeschützten und sonnenintensiven Flächen eine Unmenge Frühlingsblumen ihre bunten Köpfe aus der Erde. Salvete, ihr Boten des Frühlings. Jedes Jahr auf’s Neue genieße ich diesen Augenblick ganz besonders – diesmal, nach der Kältewelle sicher noch ein wenig mehr.

Nach diesem leicht poetischen Teil, will ich selbstredend auch den sportlichen Aspekt nicht verheimlichen. Gut…konditionell ist noch genug Luft nach oben. Da sind sich alle Beteiligten einig. Trotzdem war ich doch einigermaßen überrascht, wie locker sich die knapp 70km fuhr. Zum Schluss haben sich der enorme Trainingsrückstand dann doch sehr bemerkbar gemacht. Das bis dahin flüssige Kurbeln wich auf den letzten 10km einem unrunden Stampfen. Aber trotzdem, mit einem Stundenmittel von 26,7km/h bei einem Durchschnittspuls von 124 Schlägen bin ich für die erste “Trainingseinheit” mehr als zufrieden. Die Saison hat jetzt offiziell auch für mich begonnen und für meinen ersten Wettkampf am 5.5. – dem Run + Bik in Hemding – sehe ich Licht am Ende des vereisten Tunnels.

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Schwimmt, fährt Rad und läuft!

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