Radgeschichten: Wie fliegen – nur schöner.

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Was jetzt kommt, ist wahrlich nichts Neues – muss aber trotzdem mal geschrieben werden.

Nach einer guten Woche des sportlichen Nichtstuns, hab ich Samstagmorgen mal die frühe Gelegenheit beim Schopf gepackt. Ich war viel zu früh wach und merkte, das ist ein Zeichen: Schwing Dich jetzt auf’s Rad, umso früher bist Du zum Frühstück wieder an Board. Gedacht, getan. Schnell die kurze Radpelle über den noch müden Athletenkörper gestülpt, Rad aus dem Keller geholt und um 8:30Uhr saß ich bei besten Wetterbedingungen auf meinem Esel.

Komme ich aber nun aber zum entscheidenden Punkt: diesem ganz bestimmten Gefühl. Radfahren ist nicht nur Bewegung auf einem Zweirad. Es ist viel mehr. Wirklich viel mehr.

Das Gefühl, das man hat, wenn die Welt an einem vorüberfliegt. Es ist dabei aber nicht so, dass man sie kaum oder gar nicht wahrnimmt. Ganz im Gegenteil. Das, was um einem herum passiert, spürt man intensiver. Die Farben, Gerüche, Geräusche, den Fahrtwind auf der Haut (an den stoppeligen Beinen ;)) – all das plätschert auf einen ein. Gerade jetzt, wenn die Natur förmlich explodiert und es jeden Tag grüner und bunter wird, die Rapsfelder in einem unglaublich satten, kräftigen gelb erstrahlen und die Blumen am Straßenrand mir gleichsam Spalier stehen. Auf der Haut fühlt man die Wärme der Sonne, die sich ihren Weg durch die Wolken bahnt und hört das sonore Geräusch der leicht geölten Kette, wie sie ihre vorbestimmten Runden über das Kettenblatt, Ritzeln und Schaltröllchen dreht – immer und immer wieder. In diese Idylle schleicht sich der eigene gleichmäßig gehende Atmen, mal langsamer, mal schneller – tief und intensiv saugt man die Luft in seine Lungen. Der Sauerstoff gelangt in die Blutbahn, sorgt unentwegt dafür, dass der Motor läuft – dringt ins Gehirn und macht das Denken leichter und schärft den Versand. Gedanken und Ideen werden geboren, aufgezogen und in die Freiheit entlassen. Man wechselt die Perspektive und der Blick auf Probleme wird ein anderer. Auf einmal sieht man Lösungen, wo vorher keine waren. Ich könnte noch seitenweise darüber schreiben – ein jeder vermutet, was gemeint ist und hat sicher schon selbst solche Erfahrungen gesammelt.

Solche bewussten “Lebensbegegnungen” sind dabei nicht die Regel. Oft kündigen sich die auch gar nicht an. Es passiert plötzlich; augenscheinlichen aus dem Nichts heraus. Wiederum kann es auch sein, dass man wie auf glühenden Kohlen sitzt und in einem das unbändige Gefühl aufkocht, sich unbedingt auf den Sattel schwingen und ein paar Stunden fahren zu müssen.

Dieses Wochenende hatte ich beide Seiten zu spüren bekommen. Samstag diese plötzliche intensive Begegnung mit der Natur und Sonntag die Hummel im Hintern. Das Wunderbare: Immer komme ich tiefenentspannt nach Hause. Es manchmal wie einer Art der Meditation. Das eigene Leben mit seinen vielen, unterschiedlichen Bestandteilen erscheint viel näher und bedeutungsvoller.

Das ist ein Grund, warum ich so gerne Rad fahre! Es ist wie fliegen – nur schöner.

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Schwimmt, fährt Rad und läuft!

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Moin Christoph,
    toller Beitrag! deinen Erfahrungen kann ich mich nur anschließen. Zwar bin ich häufiger Laufen als Rad fahren, doch gerade die spontanen und ungeplanten Touren sind meist die inspirierenden.
    Guten Flug weiterhin! 😉
    Arne

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