Vom Leiden und Laufen – IRONMAN 70.3 in Wiesbaden

Ironman

Hab mein’ Wagen voll geladen, voll mit kleinen Kindern. sang einst Pippi Langstrumpf. Ähnlich war auch das Wiesbaden-Wochenende gelagert – abseits der sportlichen Aktivitäten. Im eigentlichen Wagen saß zwar nur ein kleiner Butsch, aber drei weitere warteten bereits auf uns am Zielort + der Rest der Schaltaugen-Gang. Wir alle sind dem Ruf des Ironman 70.3 in Wiesbaden gefolgt. Yiiiiihaaa! Aber letztlich war das sportliche Event nur Mittel zum Zweck, denn unisono waren wir uns einig, dass das Wiedersehen im Vordergrund stand. Aber ich gebe ab zum SPOCHT!

Samstag:
Nach einer großen Portion Chillen ging’s am Nachmittag zum Checkin. Wie immer gab sich ein bunter Haufen von “Selbstverliebten” ein Stelldichein. Falls ich jemanden damit auf die Füße trete, tut es mir leid. Aber es ist immer wieder erneut faszinierend zu sehen, wie viele Menschen in diesem Sport so vollends aufzugehen scheinen und sich über Hautbräune, Material und Tattoos definieren. Ja, der Sport bringt Spaß und gibt einem viel (auch mir) – aber ich muss mir nicht die Hawaii-Emperor-Inselkette samt der Teilnahmejahre auf die Waden tätowieren lassen. Sicher, ein Einzelfall, aber steht er m.E. stellvertretend für sehr viele mehr oder weniger ambitionierte Athleten, die je Material im Wert mehreren Tausend Euro in die Wechselzone schieben, um es nicht selten im Wettkampf “spazieren zu fahren”. Ein Jammer. Schade um das schöne Zeugs! denke ich dann immer. Och, der ist doch nur neidisch, könnte man denken. Nein. Neid ist es nicht. Ok, wer möchte nicht gerne einen schnittigen Carbonrahmen fahren, aufmonitioniert mit teuren Hochprofillaufrädern und einer DI2 von Shimano? Ja, das hätte ich schon ganz gerne. Ich kann’s mir jedoch nicht leisten. ABER es würde mich auch nicht signifikant schneller machen. Letztlich ist es dieses Zusammenspiel aus Material-Protz und selbstdarstellerischer Attitüde was mir unsympathisch ist. Doch zum Glück sind die meisten Athleten “Normalos”. Neben dem Showlaufen gab es noch etwas, was viel nerviger war/ist: die Reglementationswut des Veranstalters. (Achtung Kritik!) Die spiegelte sich weniger in Geboten sondern vielmehr in Verboten wider. So dürfen z.B. Staffel-Läufer am Veranstaltungstag nicht mit in die Wechselzone. Nee, ist schon klar. Lieber Veranstalter, eine Staffel ist ein Team, das schlossen wie ein Mann an den Start geht; bereit Höchstleistungen zu bringen. Und das zu einem gesalzenen Preis (Anm. d. Red. 325€). Dafür sollten sie bitte schön auch uneingeschränkten Zugang zu den “Arenen” haben. Bezeichnend fand ich denn auch die hinter vorgehaltener Hand mir zugeraunte Meinung einer Helferin, dass die Challenge doch irgendwie viel sympathischer sei. Das sollte dem IRONMAN Team um Herrn Kai Walter zu denken geben. Zutritt hin oder her, wir haben ihn uns trotzdem verschafft. Die Ordner haben weder in T1, noch in T2 irgendwelche verschärften Kontrollen durchgeführt. Somit waren wir nicht nur Zaungäste, sondern mitten drin.

Warten auf den Rest. Wie immer ;).

Badeprobe im Raunheimer Waldsee

Nach dem Checkin hab wir noch ein Probebad im Waldsee genommen, bei dem ich mein Sony Xperia Z auf seine Wassertauglichkeit geprüft habe. Den Abend ließen wir entspannt bei Pasta und Bier früh ausklingen, schließlich würde uns der Wecker viel zu früh aus dem Bett läuten – wie immer bei solchen Events.

Sonntag
Irgendwann am Morgen – viel zu früh – hab ich mich, nachdem ich mich gefühlt 1000x umgedreht hatte, aus dem Schlafsack geschält. Zum Glück gabs noch genug Kaffee. Zwei Nutella-Doppeldecker-Weißbrote später saßen wir im Teammobil in Richtung Raunheimer Waldsee – in dem es sich, übrigens, seltsam anfühlt zu schwimmen. Das Wasser hat ein blau-milchig-trübe Farbe und wenn die Arme eintauchen, verschwinden sie geisterhaft im diffusen Licht. Die Orientierung fällt einem da nicht ganz einfach. Aber mir konnte es egal sein, denn ich war ja als Schlussläufer engagiert worden.

Ein bisschen merkwürdig ist das Gefühl schon einen Triathlon nicht komplett zu bestreiten. Es hat aber auch ganz praktische Vorteil – reist man doch zum einen mit sehr wenig Material an. Zum anderen sieht man das Event mal aus einer ganz anderen, viel entspannteren Perspektive. Ich hatte sehr viel Zeit mir das Geschehen in der Wechselzone anzuschauen – z.B beim Pro-Watching. Um 7:30 haben sich die Profis auf den Weg gemacht. Beeindruckend, wie Frodeno zu seinem Rad gesprintet kam; es wirkte locker aber trotzdem voll konzentriert – und hat somit auch den korrekten Weg in Richtung Ausgang eingeschlagen. Viele Pros wollten jedoch statt rechts links hinaus laufen, was wirklich ein wenig seltsam und gar nicht pro-mäßig anmutet. Den Referees wurden dadurch unfreiwillig zur Wechselzonen-Polizei, die den Verkehr regeln mussten. Entweder waren die Pros randvoll mit Laktat oder sie haben sich die Wechselzone nicht richtig angeschaut. Das sollte m.E. eigentlich nicht passieren.

Beispiel der neuen “Panorama Funktion” von Picasa (Google)

Faszinierend waren auch die Abstände der Pros zu einandern. Am Anfang herrschte noch eine regelrechte Rushhour, zum Ende staksten die Letzten mit einer Verspätung von mehreren Minuten zu ihren Räder. Ganz ehrlich, wie kann sich denn jemand “Professional” schimpfen mit einer Schwimmzeit von 28, 31, 37 oder gar 38 Minuten und dadurch allein bei der Auftaktdisziplin zur Spitze fast 18 Minuten aufgebrummt bekommen?? Find ich seltsam.

T1 vorher T1 nachher

(Randnotiz: Nachdem alle Athleten T1 verlassen haben, sieht es aus, als wäre ein Schwarm Heuschreken über das Feld hergefallen)

Um 8:15 starteten unsere beiden Einzelstarter, die in ihrer AK mit starken Zeiten aus dem Wasser kamen. Die Radstrecke hat aber den einen oder anderen zu viel abverlangt, so dass hinten heraus beim Laufen leider keine Bestleistungen mehr möglich waren. Trotzdem, Hut ab vor der Leistung der beiden, die stellenweise schon ein DNF im Kopf hatten und das Ding trotz allen körperlichen Unwohlseins (ich will nicht ins Detail gehen) gefinisht haben.

Warten auf den KSK Schwimmer.

Nach eine gefühlten Ewigkeit (ich hätte wirklich noch locker 1,5h schlafen können) war es auch Zeit für das Staffelduell der Titanen: KSK Kette vs. Die Steinmänner. Ein ungleiches Duell. Der Auftakt gelang vielversprechend.

T1 Staffel Der KSK Delphin hat von den Steinmänner tatsächlich weniger Zeit aufgebrummt bekommen als vermutet. Nichtsdestoweniger konnte sich unser Radfahrer natürlich nicht auf diesem Minus-Zeitpolster ausruhen. Gut erholt von einem 10 tägigen Surfurlaub mit wenig Radkilometern nahm er die Witterung auf. Meanwhile schlug der Rest die Route nach Wiesbaden ein, wo wir noch ein wenig Zeit hatten, den Berufs-Athleten bei ihrem Job zuzuschauen: schnell zu laufen. Unglaublich, wie die über die Strecke fliegen. (Anm. d. Red. Frodo lief eine lächerlich schnelle 1:08h. Und wenn das die Zukunft ist, d.h. jene ITU Athleten, die für die OD “zu langsam” sind, auf die MD gehen, dann gute Nacht Marie äh. Kienle & Co.) Nach ca. 1,5h Unterricht zum Thema “So läuft man schön und schnell” waren wir nun auch an der Reihe.

Kummerani vs. Flying

Stilistisch eine Augenweide. Frodo in Aktion.

Von der Radstrecke gezeichnet!

Wie erwartet, hatte der schweizer Steinmann seinen Staffelstab an den seinen Bruder als erster übergeben. Man sah deutlich, dass die harte Radstrecke ihren Tribut forderte. Knapp 1.500hm auf 91km sind wirklich happig. Doch wo blieb der Radfahrer des Teams KSK Kette? Die Uhr tickte – gegen mich, gegen das Team. Gute 10 Minuten später ließen sie mich von der Kette und wie ein Windhund nahm ich die ersten Meter in Angriff. Kurzer Blick auf die Uhr: 173er Puls. Ups. Viel zu zügig. Also zwei Schritte rausgenommen. Vier Runde lagen vor mir. Für mich persönlich war der Halbmarathon eine interessante Sache, denn bisher habe ich erst einen Solo-Halben in einem Wettkampf gelaufen; 2006 in Kiel, den ich mit einer 1:51h gefinisht hatte. Bin mehr getrabt, als gelaufen ;). Somit waren die 21.1km des 70.3er ein spannender Test, mit einem primär und einem sekundär Ziel. 1) Team Steinmann in die Schranken weisen. 2)  Sub 1:30h. Die Schwierigkeit: Die Laufstrecke macht es einem nicht einfach. Auf der ersten Häfte geht es bergauf, auf der zweiten Hälfte bergab…und die ansteigenden Passagen sind in der Tat spürbar – von Runde zu Runde mehr. Im Nachhinein lässt sich mein Lauf in vier Sektionen gliedern.

  1. Schnupperrunde: Wie ist das Gefühl? Wo liegen eventuelle Gemeinheiten auf der Strecke?
  2. Tempo halten. Aber nicht überzocken. Kühlen und (Flüssig-) Energie aufnehmen.
  3. Halbzeit: Bei den Supporten gut aussehen ;). Kraft für die letzte Runde aufsparen.
  4. Alles oder Nichts!

Das Alles oder Nichts in Runde 4 gestaltete sich schwierig. Meine Oberschenkel zickten zusehens mehr rum und ich musste aufpassen, dass ich nicht mir einem “Platten” (Krampf) liegen bleibe. Vom Motor und der Motivation her hätte ich noch eine Schippe drauflegen können, zumal ich auf der Gegengeraden im Start-Ziel-Korridor den Läufer der Teams “Die Steinmänner” endlich zu Gesicht bekommen habe. Motivation pur! 300 Meter später war es um ihn gesehen. Nach eigenen Aussagen folgte er meiner Aufforderung dranzubleiben…jedoch nur 150m. Der Sieg in der internen Staffelwertung war dem Team KSK Kette nicht mehr zu nehmen. Das Manöver blieb natürlich auch den Supportern nicht verborgen. Buuuh-Rufe des Widersachers und Jubel meines Teams empfingen mich auf der Laufstrecke.
Und dann endlich…5km später durfte ich mit dem vierten Band am Arm endlich in den Zielkanal abbiegen. Kurz die Siegerfaust geballt und der Halbmarathon war Geschichte. Zeit: 1:25:43h Jau. Das lief ja ganz gut. Die Quittung für die Belastung bekam ich auch gleich von meinen Beinen überreicht: Schmerzen. Hinsetzen war nur unter größten Mühen möglich. Aufstehen auch. Aber das gehört mit dazu. Dafür hab ich jetzt eine 21.2k-Zeit stehen, die mir bestätigt. Ja, ich kann “laufen”. Belohnungsweizen (ohne Alkohol), ein wenig Futter und ein 70.3 Finisher-Shirt aus Luxembourg (!) bildeten das post-sportive Triptychon. Dann ging’s im Mannschaftsbus zurück ins Basislager.

70.3 in Wiesbaden äh… Luxembourg

IMG-20130811-WA0014Und das war’s dann auch schon wieder fast. Der Rest des Tages bestand aus grillen und chillen und natürlich der Austausch von Wettkampfgeschichten.

Fazit: Solche Wochenende im Kreise seiner Freunde sind ein absolut Highlight zwischenmenschlicher Interaktionen, das unter Denkmalschutz gestellt gehören. Leider sind sie viel zu rar – was sie im Umkehrschluss aber auch so wertvoll macht. Umso anstrengender ist dann jedes Mal das Eintauchen in den Alltagstrott.…als würde man in ein kleines Loch fallen.

Die Familie

Also…bis bald.

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Schwimmt, fährt Rad und läuft!

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo,
    ich fahre in der kommenden Woche in der Staffel mit beim Iron Man 70.3 in Wiesbaden. Mein erster ” Iron “.Ich finde leider keine Zeiten in den entsprechenden Foren die mir zeigen wie lange man auf der 91 Kilometer Radstrecke braucht durch den Taunus.Kannst Du mir sagen wie lange euer Fahrer gebraucht hat,damit ich einen Anhaltspunkt habe.Ansonsten brauche ich auf meiner 60 Kilometerstrecke ca. 2 h. Schon einmal vielen Dank für die Auskunft und weiterhin gutes Gelingen.

    Beste Grüße und Hals – und Beinbruch aus Wiesbaden

    Axel

    • In jedem Fall schon mal viel Spaß. Leider erinnere ich mich nicht mehr an die Radzeit. Aber rechne mal mit gut drei Stunden; im Wettkampfmodus ;). Es sind zwar nur 90km aber die Strecke ist extrem profiliert. Also, dann mal Kette rechts; aber nicht überpacen ;). 90km, gerade wenn es auf und ab geht, können hinten heraus seeehr lang werden. Lieber für die letzten 20km noch ein paar Körnchen aufsparen. Gerade der letzte Anstieg und die anschließende “Platte” (breite Bundestraße) haben es in sich. Da denkst du, du stehst.

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